24thinkpark – der Film

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Letzte Woche liessen fünf thinkparker alles stehen und liegen. Wir brauchten ein Video über die unkonventionellste Konferenz der Schweiz und wir brauchten es schnell. Warum die Zeit knapp und die Dringlichkeit hoch war. Wo wir improvisieren mussten. Und welche Herausforderungen um zehn Uhr abends nach dem Dreh noch auf uns warteten. Eine Reportage.

Es ist Dienstag, 18.18 Uhr. Unsere Kameraausrüstung und Requisiten liegen im Kofferraum, ebenso Snacks, Mineralwasser und eine Flasche Weisswein für die Hauptdarsteller. Ich überprüfe Drehbuch und Storyboard, während sich Philipp durch den Stadtzürcher Feierabendverkehr kämpft. Für den Dreh können wir nach Feierabend ins Arche Brockenhaus. Das Programm: Spätestens um halb Sieben sollen wir für die Schlüsselübergabe dort sein. Eine halbe Stunde haben wir eingerechnet, um die Kulissen für die verschiedenen Szenen aufzustellen. Um Sieben treffen unsere drei Hauptdarsteller ein. Und das ganze Set weiss: Niemand geht nach Hause, bevor nicht alle Szenen im Kasten sind.

Die Vorgeschichte

Vor etwa zwei Wochen eröffnete mir Philipp: „Wir brauchen einen 24thinkpark-Film. Er muss in spätestens zwei Wochen fertig sein.“ Warum er in solch einer Nacht- und Nebelaktion gedreht werden muss, hat – Überraschung! – mit Geld zu tun.
Für den 24thinkpark haben wir schon Sponsoren und Partner gefunden: Die Eventorganisation und die Location sind bezahlt. Unsere thinkparker müssen aber während der 24-Stunden-Konferenz auch essen und trinken. Ausserdem möchten wir ihnen interaktive Wandtafeln zur Verfügung stellen, auf denen sie während ihren Workshops schreiben, zeichnen oder im Internet recherchieren können. Kostenpunkt: 8000 Franken. Die Idee: Crowdfunding auf der Plattform 100 Days unseres Medienpartners Ron Orp. Was wir dafür brauchen: ein kurzes Video, das unser „Projekt“ erklärt. Unser Ziel: Das Projekt 100 Tage lang vorstellen und 8000 Franken sammeln. Tage bis zur Konferenz: 120. Zeit für das Video von A-Z: 10 Tage. Und genau hier kommt die Nacht- und Nebelaktion ins Spiel.
Hier ein abgesagter Salsakurs, da ein verschobenes Schwimmtraining: Für den flowmarkt der ideen tun wir (fast) alles. So schafften wir es, einen Termin zu finden, der allen passte. Unseren Hauptdarstellern Susanne, Anina und Christoph. Und dem Kamera- und Regieteam, das auch für Ton, Schnitt, Drehbuch, Requisiten, Kulissen und Grafik zuständig ist: Philipp und mir.

Die Vorbereitung

Es ist 18.30 Uhr. Im Schnellspurt stellen wir die Kulissen für vier verschiedene Szenen auf: Wir brauchen eine Couchgarnitur, einen herkömmlichen Konferenzraum, Aninas zuhause und eine Arbeitsinsel. Die Umgebung für eine Arbeitsinsel ist schnell bereit: Sessel stehen überall herum, ein Flipchart haben wir dabei. Auch für die Couchgarnitur müssen wir lediglich einen Tisch verschieben. Aninas „zuhause“ ist ein Liegesessel zwischen randvollen Bücherregalen. „Genug intellektuell fühle ich mich auf jeden Fall“, meint sie. Soweit, so gut. Die grösste Herausforderung stellt die Einrichtung eines herkömmlichen Konferenzraums dar. Hier soll Christoph später eine Präsentation zeigen, während Susanne auf einem unbequemen Stuhl im Publikum sitzt. Ein unbequemer Stuhl ist schnell gefunden. Beamer haben wir natürlich dabei. Aber die Leinwand? Keine Panik, wir wären nicht 24thinkpark, wenn wir nicht improvisieren könnten. Und so wird unsere Leinwand aus einer Rolle mit Stoff ab Meter gebastelt.
Es ist 18.50 Uhr. Susanne und Anina sind schon da. Wir sind noch mit dem Finden von Steckdosen und dem Improvisieren der Leinwand beschäftigt. Zum Glück haben wir Snacks und Getränke mitgebracht. Und zum Glück hat uns der dritte Hauptdarsteller gerade geschrieben, er komme zehn Minuten später.

Der Dreh

Es ist 19.20 Uhr. Wir beginnen mit dem Dreh der Szenen in der Couchgarnitur. Während wir unsere beiden Kameras installieren, machen die Hauptdarsteller Selfies und sehen sich noch einmal ihren Text an. Und dann heisst es: Handys aus, Spick verstecken, Gläser weg – Kamera läuft.
Wir drehen zwischen einer und vier Szenen in jeder Kulisse. Einfach sind die, in denen nur ein einziger thinkparker spricht. Anspruchsvoller die, in denen sich unsere Hauptdarsteller das Wort weiterreichen: mehr Platz für Versprecher.
Es ist 20.30 Uhr. Christoph steht vor unserer improvisierten Leinwand und beschreibt mit seiner Präsentation eine Standardkonferenz. Susanne sitzt im Publikum und tweetet. Hinter ihr brummt der Beamer und macht eine Affenhitze. „Erlöst mich endlich!“
Es ist schätzungsweise 21.15 Uhr, doch momentan interessiert das niemanden. Wir sind in der dritten – und zweitletzten – Kulisse. Die Arbeitsinsel. Objektiv gesehen sind die Szenen hier nicht schwierig. Keine Dialoge, nur einzelne thinkparker, die sprechen. Doch wir sind alle seit vierzehn Stunden auf den Beinen. Die Hauptdarsteller sind seit zwei Stunden auf ihre Statements konzentriert, die Zungen und die Köpfe werden schwerer. Wir versuchen, die thinkparker zu motivieren und die Spannung zu halten. Kleine Pausen zwischendurch helfen uns allen, doch wir sind am Kämpfen. Und müssen teilweise auch bei einfachen Szenen viele Takes aufnehmen. Sei dies wegen kleinen Versprechern oder wegen eines genervten Seitenblicks – so verständlich dieser auch sein mag.
Es ist 21.40 Uhr. Wir haben alle Szenen im Kasten. Aufräumen und „High-Fives“ sind an der Reihe.

Das Nachspiel

Es ist 21.55 Uhr. Das Brockenhaus ist wieder im Urzustand, unser Material im Auto. Susanne, Anina und Christoph warten draussen. Philipp und ich wollen noch die Lichter im Brockenhaus löschen. 15 Lichtschalter zu finden, die ohne ersichtliches System über zwei Stockwerken auf 1800 Quadratmeter verteilt sind, wäre eigentlich ein lustiges Spiel. Wenn wir es zum Spass machen würden und nicht so hundemüde wären. Lustig fänden wir dann bestimmt auch, dass der Videodreh im Vergleich zu dieser letzten Aufgabe wie ein Kinderspiel erscheint.
Es ist 22.15 Uhr. Wir fahren los. Drehen das Radio im Auto auf. Und freuen uns schon auf das Schneiden von vier Stunden Videomaterial zweier Kameras. Aufgenommen ohne Klappe, ohne richtige Beleuchtung … aber mit der Hoffnung, dass etwas zusammenkam, das den Geist von 24thinkpark trägt.

Das Resultat

Über die Autorin

Alles, was zwischen den Zeilen passiert, macht Antonia Fischer neugierig. Bei den knapp 20 Interviews, die sie mit Teilnehmern und Sponsoren des 24hinkparks in den letzten Monaten geführt hatte, hörte sie deshalb genau hin. Wie sie dabei Hierarchielosigkeit schon lange vor Konferenz erlebte und wozu sie sich am flowmarkt der ideen Inspiration erhofft, erfährst du demnächst auf diesem Blog.

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[…] ist acht Uhr morgens. Der Tag nach dem Dreh des 24thinkpark Films. Ich habe vier Stunden geschlafen. Für meinen Geschmack vier Stunden zu wenig. Meine To-do-Liste […]

Diskutiere mit SuddenRush: Der Wachmacher Doch nicht